Freitag, Dezember 23, 2005

Nachdenkliches zu Weihnachten



Liebe HohenheimerInnen,

auch wir wünschen euch besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Damit ihr über die Tage noch etwas zum Nachdenken habt, stellen wir euch auch hier die Fragen, die wir in unserem letzten Flugblatt den HohenheimerInnen gestellt haben.

Euer AK

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Wieso nehmen von der Uni Stuttgart tausende Studierende an der Demo teil, aber aus Hohenheim „nur“ 60? Sind die HohenheimerInnen alle Befürworter von Studiengebühren, weil sie bereits die Antworten zu folgenden Fragen für sich entdeckt haben?

  1. Gibt es überhaupt sozialverträgliche Studiengebühren? Und selbst wenn sie sozial verträglich sind in dem Sinne, dass man sie überlebt, sind sie dann sozial gerecht?
  2. Studiengebühren sind zwar zweckgebunden, allerdings ein geringer Teil des Uni-Etats. Was ist aber, wenn der Staat in klammen Haushaltszeiten den Etat der Uni beschneidet, mit der Begründung, dass die Uni ja über Gelder aus den Gebühren verfügt?
  3. In Deutschland gibt es zu wenig Studierende. Sind Studiengebühren allein aus psychologischen Gründen dann nicht kontraproduktiv und abschreckend?
  4. Es wird immer behauptet, dass kein Geld da ist! Aber warum gibt das Land Milliarden Euro für Stuttgart 21 oder die neue Landesmesse auf den Fildern aus?
  5. Die CDU will Studiengebühren in Höhe von 500 Euro, die FDP fordert jetzt schon 1000 Euro! Bleibt es also bei den geplanten 500 Euro?
  6. Es heisst, die Gelder gehen direkt an die Uni. Fragwürdig ist aber, wer die Verwaltungskosten für die Studiengebühren zahlt? Etwa wir Studierende selber?
  7. Warum gehen die Studiengebühren eigentlich auch in die Forschung und nicht in die Lehre? Schließlich zahlen wir ja die Gebühr, dann soll sie auch den Studierenden zu Gute kommen.
  8. Die Universitäten aus Baden-Württemberg befürworten Studiengebühren. Ist es von daher nicht fair, dass die Universitäten für die Kreditausfälle bürgen und damit selber einen Beitrag leisten? Oder werden dazu dann etwa unsere Studiengebühren als Rücklagen eingesetzt?
  9. Studiengebühren sollen dem „Bildungs-Wettbewerb“ dienen. Aber im Wettbewerb gibt es ja bekanntlich Gewinner und Verlierer. Mal schaun, wer sich in Hohenheim durchsetzt: Wiwis oder (Agrar-)Biologen?
  10. Im Wettbewerb regelt ja bekanntlich der Nachfrager den Markt. Wieso dürfen aber die Universitäten ihre „KonsumentInnen“ auswählen und nicht umgekehrt? Schließlich sollen doch wir Studierende die Studiengebühren zahlen und nicht die Uni?
  11. Studiengebühren hatten in allen Ländern -in denen sie eingeführt wurden- negative Konsequenzen. Wieso sollte es hier anders sein?
  12. Ist das Bildungssystem der USA fair?
  13. Führen alle Fragen aus 1. – 12. nicht zu der Vermutung, dass die Landesregierung eine Geldelite statt einer Leistungselite will?
  14. „Studiengebühren kommen ja eh ab SS 2007?“ Liegt aber dazwischen, nämlich im März 2006, nicht noch eine Landtagswahl?
  15. Wenn derzeit von 100 Kindern hoher sozialer Herkunft, 84 der Übergang in die gymnasiale Oberstufe und 72 die Aufnahme eines Studiums gelingt, von 100 Kindern unterer sozialen Herkunft aber nur 33 den Übergang in eine weiterführende Schule und nur noch 8 von 100 die Überwindung der Schwelle zum Studium schaffen (Quelle: DSW Sozialerhebung), dann ist das schon heute weder volkswirtschaftlich vertretbar noch sozial verträglich, sondern eigentlich ein „sozial unerträglicher“ bildungspolitischer Skandal?
  16. Die BAFöG-Reform 1999 hat zu einem Studierendenanstieg von 27,7 auf 35,7% geführt. Ob Studiengebühren auch zu diesem erfolgreichen Anstieg führen?
  17. Wieso müssen eigentlich auch BAFöG-Empfänger Studiengebühren zahlen?
  18. 67 % der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Führen Studiengebühren für diese Menschen nicht etwa zu einer Studienzeitverlängerung?
  19. Warum hat die Landesregierung einen Kredit der landeseigenen L-Bank bevorzugt, anstatt einen Kredit zu gleichen Konditionen mit billigeren Zinsen für die Studierenden der bundeseigenen Förderbank für Wiederaufbau? Will das Land an den Zinsen verdienen?
  20. Wollen wir nicht lieber Maultaschen essen, anstatt das Geld für Studiengebühren auszugeben?

Das sind zwanzig Fragen. Habt ihr dafür auch die passenden Antworten? Oder wissen die Hohenheimer Studierenden etwa noch gar nicht, was Studiengebühren eigentlich bedeuten??

Vorbeikommen und hinterfragen!

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